Masstoleranzen

Toleranzen im Hochbau

Aus dem Vorwort zur 3. Auflage

Mit der DIN 18202 werden die für das Bauen im Hochbau verträglichen Grenzen für unvermeidbare Maßabweichungen beschrieben. Dieses Regelwerk kann der Vielfalt des Baugeschehens Rechnung tragend nur Grundzüge für den Umgang mit Toleranzen aufzeigen. Darüber hinaus besteht die Voraussetzung für ein maßgerechtes Bauen darin, die vielfachen Passungsanforderungen im Sinne einer Bemessung der erforderlichen Genauigkeit zu berücksichtigen. Das vorliegende Werk kommentiert die Inhalte der DIN 18202 und zeigt deren Hintergründe und Grenzen für einen praxisgerechten Umgang mit Genauigkeitsanforderungen auf. Hierbei wird auch eine Vielzahl von Anforderungen an die Maßhaltigkeit aus anderen einschlägigen technischen Regelwerken der verschiedenen Gewerke des Hochbaus sowie aus der baupraktischen Erfahrung mit berücksichtigt.

Die vorliegende dritte Auflage dieses Kommentars greift die jüngsten Änderungen in der neuen Ausgabe der DIN 18202:2013-04 auf. Die Inhalte dieser Norm werden mit zahlreichen zusätzlichen Abbildungen insbesondere zu den Begriffen, den unterschiedlichen Toleranzarten und der Prüfung der Maßhaltigkeit erläutert. Hierbei wird vor allem die Abgrenzung der unterschiedlichen Toleranzarten herausgestellt. Zu der Kommentierung der DIN 18202 in Teil A dieses Buches neu hinzugekommen sind zudem weitere Beispiele und Erläuterungen zur Vermessung bei der Prüfung von Maßabweichungen auf der Grundlage der zwischenzeitlich neu erschienenen Vermessungsnorm DIN 18710.

Die Anwendung von Toleranzen beim Planen und Bauen und die Berücksichtigung von Genauigkeitsanforderungen an Schnittstellen verschiedener Gewerke in Teil B dieses Kommentars wurden überarbeitet und ergänzt.

Der Gewerkekatalog in Teil C zum Umgang mit Toleranzen im Roh- und Ausbau wurde unter Berücksichtigung der Neuausgabe der ATVen in der VOB/C vom September 2012 vollständig überarbeitet und aktualisiert. Zudem finden für die konstruktiven Gewerke Mauerwerksbau, Beton- und Stahlbetonbau, Holzbau und Stahlbau jetzt auch die Eurocodes Anwendung. Sie enthalten ein neues Konzept zur Berücksichtigung von Toleranzen unter dem Aspekt der Tragsicherheit, das unabhängig von den Toleranzen in Bezug auf die Passgenauigkeit und das Aussehen in der Bemessung zu berücksichtigen ist. Diese Anforderungen wurden in die vorliegende Kommentierung neu aufgenommen. Zusätzlich aufgenommen wurde in Ergänzung zum Stahlbau auch der Aluminiumbau.

Die textlichen Inhalte der DIN 18202:2013-04 werden in dem vorliegenden Kommentar wie auch bereits in den Vorauflagen im Original wiedergegeben.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung der Normungsarbeit, auf Bauweisen bzw. Bauteile bezogene Toleranzen in den jeweiligen Einzelnormen zu formulieren, erhält die Toleranznorm DIN 18202 zukünftig eine zunehmende Bedeutung für die Koordination der Schnittstellen einzelner Gewerke mit ihren jeweiligen spezifischen Maßabweichungen. Mit der Bemessung von Genauigkeitsanforderungen können notwendige Passungen funktionsgerecht toleriert werden.

 

 

Dipl.-Ing. Univ. Ralf Ertl, Beratender Ingenieur für das Bauwesen (BYIK), München